Freundschaftsfahrer: Andrej – Freundschaft ist die beste Diplomatie
Teilnehmer:   Andrej
Alter:                46
Beruf:               Dipl.-Wirtschaftsingenieur, selbständig
Nationalität:  Russe aus Deutschland
Motivation

Ich wohne seit fast 25 Jahren in Deutschland, länger als in meiner ursprünglichen Heimat Russland und es war mir ein großes Bedürfnis mit der Teilnahme an der Friedensfahrt 2016 einen Beitrag zur Völkerverständigung und -freundschaft zu leisten.

Erlebnisse

Meinen Mitfahrern konnte ich durch meine Landes- und Sprachkenntnisse sowie durch Freunde in Russland ganz besondere Erlebnisse ermöglichen. Egal ob in der Nähe von Pskow bei einer alleinerziehenden Adoptivmutter von 6 Waisenkindern, in St. Petersburg bei einem ganz unerwarteten Fallschirmsprung oder einem gemütlichen Saunaabend bei Freunden am Rande von Moskau. Von diesen und anderen Erlebnissen habe ich schon auf vielen Vorträgen über die Friedensfahrt in Sachsen berichtet und bereits andere von der Idee anstecken können. Denn gerade weil sich unsere Großväter vor über 70 Jahren möglicherweise als Feinde gegenüberstanden und Russland nach einer langen Zeit des Friedens wieder als Feind dargestellt wird, ist es heute umso wichtiger, aufeinander zuzugehen, um sich besser kennenzulernen.

Die diesjährige Freundschaftsfahrt soll wieder ein Zeichen setzen und ich glaube daran, dass die Volksdiplomatie und Bürgerinitiativen, dazu beitragen werden, die Denkbarrieren (Feindbilder) und die bürokratischen Schranken (Visapflicht) abzubauen.

Die Friedensfahrt 2016 war auch deshalb etwas ganz Besonderes für mich und hat mein Leben unglaublich bereichert, weil ich viele mutige und engagierte Menschen kenngelernt habe, mit denen mich jetzt eine tiefe, herzliche Freundschaft verbindet.

Freundschaftsfahrer: Rainer ist für Völkerfreundschaft mit Russland statt für „Friedenssicherung“ durch NATO-Aufrüstung
Teilnehmer:    Rainer, begleitet von Vater Hans Peter und Bruder Michael
Alter:                45
Beruf:               Selbstständig
Nationalität:  Deutschland
Motivation:

Ich habe von 2009 bis 2015 als Juniorprofessor für Politische Geographie an der Universität Tübingen in den Bereichen „Kritische Geopolitik“ und „Geographische Konfliktforschung“ unter anderem das Thema „Feindbildgenese“ bearbeitet. Nachdem bei einer öffentlichen Ringvorlesung zum Thema „Feindbilder in interreligiösen Beziehungen und internationaler Geopolitik“ die Einladung des russischen Botschafters Grinin geharnischte Proteste ausgelöst hatte und ich ein halbes Jahr später wegen eines NATO-kritischen Interviews zum Ukrainekonflikt auf politischen Druck hin aus meinem Amt als Geschäftsführender Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (www.IGFM.de) entfernt wurde, war mir endgültig klar, dass Russland aktuell das zentrale Thema jeglicher Friedensarbeit sein muss.

Referenz: KenFM, Positionen #4 (Minute 2:41:00)
Referenz: George Friedman über die Strategie der Spaltung zwischen Deutschland (inkl. EU) und Russland Min 10:00
Wie es zur Friedensfahrt Berlin Moskau kam

Bei der KenFM-Diskussionsrunde Positionen #4 zum Thema „Feindbilder“ am 27.01.2016 (71. Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz durch die Rote Armee) brachte ich den Vorschlag vor, dass sich möglichst viele Friedensfreunde zusammenschließen und gemeinsam nach Moskau fahren sollten, um entgegen militärischen Eskalationsstrategien ein unübersehbares Signal des Friedens und der Völkerfreundschaft mit Russland zu setzen. Ich bin überzeugt, dass wir uns bei der überlebenswichtigen Frage des Friedens nicht auf mehr oder weniger rationale und vernünftige Politiker verlassen dürfen, sondern im Sinne von „Volksdiplomatie“ bzw. „Geopolitik von unten“ selbst das Heft in die Hand nehmen müssen.

Damit können wir punktuell sogar einflussreicher als etablierte staatliche Institutionen sein. Kaum war die KenFM-Sendung online, meldete sich Owe Schattauer, der als Rapper „C- Rebell-um“ in ähnlicher Mission schon 2015 in Moskau gewesen war, und wir bildeten fortan die Doppelspitze, die den Friedensfahrtgedanken vorantrieb. Zahlreiche fleißige Helfer und Spender kamen hinzu. Nur gemeinsam gelang es uns schließlich in kürzester Zeit ein unglaublich umfangreiches und komplexes Vorhaben auf die Beine zu stellen und mithilfe der Kontakte von Sergey Filbert zu russischen Friedensfreunden („Stimme Deutschlands“; www.golos-germanii.ru) erfolgreich über die Bühne zu bringen.

Referenz: KenFM, Positionen #4 (Minute 2:41:00): https://www.youtube.com/watch?v=lk98IRFTWNs

Warum sollen wir die Russen hassen?

Nach jahrelanger, fast täglicher medialer Berieselung mit Vorwürfen und Horrormeldungen über Russland wurde die Motivation vieler Menschen, diesen östlichen europäischen Nachbarn einmal persönlich kennenzulernen, unter einem Berg von Vorurteilen begraben. Genau dann sind aber die geostrategischen Ziele des Informationskriegs gegen Russland offensichtlich erreicht. Wie es der ehemalige Chef der „Schatten-CIA“ STRATFOR, George Friedman, 2015 sagte, so ist das Hauptinteresse amerikanischer Geopolitik seit über 100 Jahren, Deutschland und Russland in ständigem Konflikt zu halten. Würde entlang dieser Achse eine Allianz entstehen, müssten – so seine Sorge – die USA um ihre unangefochtene Vorrangstellung als alleinige Weltmacht fürchten. Die tägliche Berieselung mit manipulativen und tendenziösen Medienberichten über Russland – immer natürlich unter Auslassung der groben Sünden westlicher Außenpolitik z.B. in Nahost und der Ukraine – soll dazu führen, dass wir irgendwann unsere mentale Unterstützung für eine massive Aufrüstung und vielleicht auch einen erneuten großen Krieg mit Russland geben. Deutschland würde als alliierter Truppenstandort und Atomwaffendepot das zentrale Schlachtfeld bilden und sinnlos vernichtet. Können wir das zulassen, wenn sich diese Gefahr auch nur ansatzweise abzeichnet???

Referenz: George Friedman über die Strategie der Spaltung zwischen Deutschland (inkl. EU) und Russland (Min 10:00: https://www.youtube.com/watch?v=9fNnZaTyk3M&t=21s )

Nein! Wir lieben die Russen einfach, wie jedes andere Volk der Erde!

Diese Einsicht und dieser Entschluss stehen am Anfang jeglichen Friedens, der mehr ist als die bloße Abwesenheit von Krieg. Nämlich ein Frieden, der auf tragfähiger Völkerfreundschaft basiert. Es gibt viele verschiedene Völker und Kulturen. Wer uns als „Feind“ präsentiert werden soll, dem begegnen wir mit „Liebe“. Wer die christliche Urlehre als Wurzel abendländischer Kultur noch kennt, weiß, dass die „Feindesliebe“ als ultimative Friedensstrategie („Liebet eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“ Lukas 6, 27-28) eigentlich Teil des gerade von der NATO so viel beschworenen Kanons „westlicher Werte“ sein sollte. Das positive aufeinander Zugehen zwischen Völkern soll auch unser Friedensfahrt-Logo mit dem Herz, den beiden (beliebig austauschbaren) Nationalflaggen-Hälften und der Friedenstaube unmissverständlich ausdrücken.

Aussöhnung mit Russland fand nie statt

In Richtung Westen haben wir Deutschen 45 Jahre lang viel getan, um die Wunden des Zweiten Weltkriegs zu heilen. Unzählige Partnerschaften zwischen Städten, Schulen und Universitäten haben dazu beigetragen, aus erbitterten Feinden freundschaftlich verbundene Nachbarn zu machen. Mit Russland fand dieser Prozess nie statt! Zuerst wurde die Aussöhnung durch den „Eisernen Vorhang“ verhindert, dann durch Chaos und wirtschaftlichen Niedergang unter Jelzins neoliberaler Oligarchisierungspolitik und schließlich durch westliche Feindbildpflege seit Russland unter Putin wieder aufsteht und ein Teil der Weltgemeinschaft werden will.

Was für uns Friedensfahrer zählt, ist nicht das Aufrechnen von Schuld am Zweiten Weltkrieg und der Anzahl von Kriegstoten – ob diese auf russischer Seite nun das 100-fache oder nur das 50-fache jener betragen hat, die unsere seit 1945 verehrten Befreier von jenseits des Atlantik zu beklagen hatten. Von den zahlreichen sowjetischen Vorstößen zur Gewährleistung der deutschen Wiedervereinigung unter Wahrung von Block-Neutralität wie die NATO-Nichtmitglieder Schweiz und Österreich erfuhren 99% der Deutschen gar nie etwas. Und dass wir die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands 1990 mit der einzigen Forderung nach Nicht-Ausdehnung der NATO gen Osten als Geschenk Russlands betrachten müssen, haben rund 90% der Deutschen bereits vergessen.

Auf der Friedensfahrt erkannten wir bald, dass die Russen ihre Erinnerung an die vielen Millionen Kriegstoten zwar sehr viel lebendiger erhalten haben als wir Deutschen, die ihre Kriegstoten als „gerechte Strafe“ kollektiv traumatisierend verdrängen mussten. In jeder Stadt, die wir besuchten, stand der Wunsch der Gastgeber im Mittelpunkt, gemeinsam der Kriegsopfer zu gedenken. Wir gingen dabei aus vollem Herzen mit und sahen dies nicht als „Schuldkult“, wie manche besonders progressiven Moralapostel behaupteten, sondern empfanden es als tiefes persönliches Mitgefühl. Mitgefühl mit den Millionen Menschen beider Seiten, die vor über 70 Jahren ihre jungen Leben, ihr Familienglück zerstören lassen mussten, weil die „hohe Politik“ für uns das große sinnlose Schlachten zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten auf das Programm gesetzt hatte. Was für ein fataler Wahnsinn! Wo wird einem dies klarer, als an den Gräbern Tausender Soldaten? Deutlich klarer wird es einem dort zumindest als bei der täglichen Medienberieselung, die uns beruhigt, unsere Regierungen im Westen seien immer die „rationalen und altruistischen Guten“ und die nun schon wieder das mentale Zielfernrohr auf den „bedrohlichen Feind im Osten“ richtet. Eine Berieselung, die uns als Steuerzahler auch willig machen soll, zusätzliche zig Milliarden in den „Verteidigungs“haushalt, nein, in die „Kriegskasse“ zu spülen, um einem „Feind“ zu trotzen, der seit einem Vierteljahrhundert gar nicht mehr unser Feind sein, sondern mit uns Handel und Austausch betreiben und Frieden sowie Völkerfreundschaft feiern will.

Nicht „Schuld“ zählt, sondern „Vergebung“

Das Denken in der Kategorie Schuld ist rückwärtsgewandt und aufgrund der Unabänderlichkeit der Geschichte nie endend. Vergebung ist ein Schlusspunkt für alle Schuld und ein fruchtbarer Boden, auf dem Frieden und Völkerfreundschaft gedeihen können. Vergebung braucht nicht viele Worte. Es reicht ein Herz, ein Blick, eine Umarmung, die sie überspringen und ankommen lässt. Und genau das war unsere Erfahrung an so vielen Orten und mit so vielen Menschen in Russland. Vergangenen Leides gedenken ja, aber dann kommt das sofortige nach vorne Schauen, gemeinsames Essen, Singen und Tanzen, teilweise noch gleich neben dem Soldatenfriedhof. In vielen Gesprächen vergewisserten uns die russischen Freunde sogar: „Wir waren damals alle Opfer. Wir sollten in einen Krieg miteinander getrieben und beide schlimm getroffen werden. Auch heute ist es nicht anders, wir sollen gegeneinander aufgehetzt werden. Wir geben euch nicht die Schuld für lange vergangenes Leid, zumal ihr als junge Menschen nichts damit zu tun habt.“ „Danke, dass ihr genau in diesen schwierigen Zeiten zu uns kommt!“

Unvergessen bleiben die vielen herzlichen Begegnungen und eine Gastfreundschaft, die im übrigen Europa ihresgleichen sucht – so zumindest mein persönlicher Eindruck. Unzählige Male wurde uns ein Dank aus tiefstem Herzen ausgesprochen, dass wir uns auf den weiten Weg gemacht hatten, um die Russen gerade in der Zeit zu besuchen, als die mediale Hetze neben dem politischen Geschehen bereits die Fußball-Europameisterschaft, den Eurovision-Songcontest und Olympia erreicht hatte. Die Russen fühlen, dass von den Westmedien bigott mit zweierlei Maß gemessen und sie zu Unrecht alleine und für alles derart verteufelt werden. Aber gerade da tat die Vergewisserung der vielen Friedensfahrer besonders gut, dass die Menschen im westlichen Teil Europas selbständig denken und sich nicht so manipulieren lassen, wie es das verzerrte Bild Russlands in den westlichen Mainstream-Medien vermuten lässt.

Aus „Frieden“ wird „Freundschaft“

Auch wenn das ZDF in zwei Frontal21-Sendungen (27.09. und 04.10.2016) gegen uns Friedensfahrer substanzlos hetzte und argwöhnte, wir seien wohl vom Kreml bezahlte willige Helfer Putins – unsere persönliche Überzeugung ist, dass wir nie wieder einen Krieg mit Russland zulassen wollen. Dieser tiefe Friedenswille einte Friedensfahrer und Russen unterschiedslos. So haben wir das Gefühl, dass der „Frieden“ durch unsere Friedensfahrt qualitativ wuchs und daraus „Freundschaft“ („Druschba“) wird. 2017 werde ich natürlich auch wieder dabei sein bei der Friedensfahrt, die dann „Freundschaftsfahrt“ heißen soll, um der Selbstverständlichkeit des gemeinsamen Friedenswillens – trotz anderslautender Interessen der transatlantischen Geopolitik-Mafia und des Militärisch-Industriellen Komplexes – gebührend Ausdruck zu verleihen.

Freundschaftsfahrer: Konstantin und Eduard: Reisen – die beste Medizin gegen Vorurteile

Teilnehmer:    Konstantin (39), Eduard (34)
Beruf:               Touristiker
Nationalität:  Deutsche aus Russland

Motivation:
Wir beide leben seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Nichtsdestotrotz sind wir dank der in Russland lebenden Verwandten und Freunde eng mit dem Land verbunden. Der Wusch nach einem freundschaftlichen Verhältnis Deutschlands und Russlands auf politischer, zivilgesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene sind Ausdruck dieser Verbundenheit.
Was tragen wir zur Verbesserungen dieser Beziehungen bei?

Bereits bei der Friedensfahrt 2016 haben wir die Erfahrung unserer zahlreichen Russlandreisen und die Expertise eines eigenen Reiseunternehmens genutzt, um in hunderten Telefonaten und Rückfragen mit potenziellen Friedensfahrern die Unsicherheit vor dem Thema Russland zu reduzieren. Auch bei der Freundschaftsfahrt 2017 möchten wir uns wieder proaktiv dafür einsetzen imaginäre Barrieren in Richtung Russland zu minimieren.
Im Gegensatz zur letzten Friedensfahrt, bei der wir nur teilweise in Moskau anwesend waren, werden wir uns in diesem Jahr aktiv der Freundschaftsfahrt anschließen und die Tour „Karelien“ begleiten und kurieren.