Friedensfahrerin: Gabriele Kärcher aus Weilheim – Ein neuer Blick auf Russland
Meine Teilnahme an der Freundschaftsfahrt verstehe ich als meine persönliche Bitte um Entschuldigung an ein Land, das von meinem Land auf üble Weise diffamiert wird.

Selten hat eine Entschuldigung so viel Spaß gemacht. Russland entpuppt sich als wunderbares Reiseland. Kultur und Natur wandeln sich mit den Kilometern, doch die russische Seele eint die Menschen aller Regionen. Sie offenbart sich in der Gastfreundschaft, die wir in jeder Oblast erfahren dürfen.

Schon der Austausch in der Druschba Reisegruppe ist eine echte Bereicherung. Mehr als 300 Menschen aller Altersklassen, Berufsgruppen und Lebenssituationen verbindet das Interesse an Russland und das Bedürfnis, zu Frieden und Völkerverständigung beizutragen. Von Kaliningrad bis Grosny singen, schlemmen, feiern und tanzen wir mit unseren Gastgebern. Wir lassen uns von hochmotivierten Einheimischen durch die Städte führen, bewundern zauberhafte Kirchen, Museen, Parks und Schlösser. Überrascht war ich von dem pulsierenden Leben in Russlands Großstädten. Volle Bars und Restaurants, freundliche, kulturvierte Menschen, verliebte Päärchen säumen die Straßen. Natürlich sehen wir nur Ausschnitte, doch eine finstere Diktatur stelle ich mir anders vor.

Besonders wichtig ist den Russen unser Besuch von Kriegsdenkmälern und Grabstätten. Gemeinsam gedenken wir den vielen Toten des Zweiten Weltkrieges. Gerade hier empfinde ich die Arroganz des Westens als besonders beschämend.

Highlights der Reise sind für mich die Besuche in Kinderheimen und in einem Ferienlager. Kinder und Jugendliche symbolisieren die Zukunft. Die Heranwachsenden sind erfrischend natürlich, fröhlich und unverdorben. Ihre Offenheit und Begeisterung ist ansteckend, unsere Geschenke lösen ehrliche Freude aus. Die Vorbehalte, die uns Deutschen gegen Russen eingetrichtert werden, sind im umgekehrten Fall nicht vorhanden. Allenfalls von Angehörigen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die unvorstellbaren Schmerz und Verluste erleiden mussten.

Gute Erfahrungen mache ich auch abseits der Druschba-Reisegruppe, in der Republik Kabardino-Balkarien. Mein Interesse gilt den Pferden, als freie Fotojournalistin habe ich mich auf dieses Thema spezialisiert. Um die Pferde und die Reitkultur der Kabardiner zu erforschen, gehe ich in Nalcik für ein paar Tage eigene Wege und treffe Pferdezüchter, Rennpferde und kaukasische Cowboys. Und erfahre auch als Alleinreisende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Die Druschba ist nicht nur eine Friedens- und Freundschaftsmission, sie ist auch eine gute Gelegenheit, das gigantische Russland umfassend und sicher kennenzulernen.

Entscheidend für mich ist die Sinnhaftigkeit des Reisens. „Es geht nicht darum, ständig neue Länder zu bereisen, sondern die Welt mit anderen Augen zu sehen“, sagte schon Marc Aurel vor fast 2000 Jahren. Und darum geht es bei der Druschba. Auszusteigen aus der von oben verordneten Russlandbild, aus einer politischen Sackgasse hin zu einer völkerverbindenden und zukunftsweisenden Art zu reisen. Das ist eine Bereicherung für Geist und Verstand.

Ganz großes Dankeschön an Rainer Rothfuß, Owe Schattauer, die russischen Partner und das Team von Paneurasia, dass sie dieses gewaltige Projekt initiiert und realisiert haben und damit den Menschen eine einzigartige Möglichkeit bieten, sich selbst ein Bild von Russland zu machen.